Geert Hofstede und die Kulturdimensionen-Theorie—Übersicht

Geert Hofstede und die Kulturdimensionen-Theorie—Übersicht

Geert Hofstede ist ein holländischer Sozialpsychologe und Anthropologe, der die Interaktionen zwischen Kulturen studiert hat. Er hat für seine interkulturelle Forschung zahlreiche Auszeichnungen auf der ganzen Welt erhalten. Eine seiner bemerkenswertesten Leistungen ist die Aufstellung der Kulturdimensionen-Theorie, die einen systematischen Rahmen zur Einschätzung der Unterschiede zwischen Nationen und Kulturen bietet.

Die Theorie basiert auf dem Gedanken, dass sechs verschiedenen Kulturdimensionen Werte zugeordnet werden können. Diese sind Macht (Gleichheit versus Ungleichheit), Kollektivismus (versus Individualismus), Unsicherheitsvermeidung (versus Unsicherheitstoleranz), Maskulinität (versus Femininität), zeitliche Ausrichtung und Genuss (versus Einschränkung). Hofstede sammelte die meisten seiner Daten über Welt-Kulturwerte durch Umfragen, die von IBM durchgeführt wurden, einer US-amerikanischen Technologie- und Beratungsfirma. Anschließend schlug er ein Bewertungssystem mit einer Skala von 1 bis 120 vor.

Machtdistanz-Index: Zitat Hofstede: „Machtdistanz ist das Maß, zu dem weniger mächtige Mitglieder von Organisationen und Institutionen (z. B. der Familie) akzeptieren und erwarten, dass Macht ungleich verteilt ist.“ Mit dieser Angabe wird nicht der Grad der Machtverteilung in einer bestimmten Kultur gemessen, sondern die Art analysiert, wie sich die Menschen damit fühlen. Ein niedriger Machtdistanz-Wert bedeutet, dass eine Kultur erwartet und akzeptiert, dass Machtbeziehungen demokratisch sind und die Mitglieder als Gleichgestellte betrachtet werden. Ein hoher Machtdistanz-Wert bedeutet, dass weniger mächtige Mitglieder der Gesellschaft ihren Platz akzeptieren und die Existenz formaler hierarchischer Positionen anerkennen.

Individualismus vs. Kollektivismus: „Der Grad, zu dem Individuen in Gruppen integriert sind.“ Diese Dimension hat keine politische Konnotation und bezieht sich eher auf die Gruppe als auf das Individuum. Kulturen, die individualistisch ausgerichtet sind, legen Wert auf das Erreichen persönlicher Ziele. In kollektivistischen Gesellschaften werden die Ziele der Gruppe und ihr Wohlergehen höher geschätzt als die des Einzelnen.

Unsicherheitsvermeidungs-Index: „Die Toleranz einer Gesellschaft gegenüber Unsicherheit und Mehrdeutigkeit.“ Mit dieser Dimension wird die Art und Weise gemessen, auf die eine Gesellschaft mit unbekannten Situationen, unerwarteten Ereignissen und dem Stress der Veränderung umgeht. Kulturen, die bei diesem Index einen hohen Wert haben, sind weniger tolerant gegenüber Veränderung und neigen dazu, die Angst vor dem Unbekannten durch das Implementieren starrer Regeln, Vorschriften und/oder Gesetze zu minimieren. Gesellschaften, die bei diesem Index einen niedrigen Wert haben, sind offener gegenüber Veränderungen, haben weniger Regeln und Gesetze und mehr vage Richtlinien.

Maskulinität vs. Femininität: „Die Verteilung emotionaler Rollen zwischen den Geschlechtern.“ Diese Dimension misst den Grad an Wichtigkeit, den eine Kultur auf stereotyp maskuline Werte legt, z. B. Durchsetzungsvermögen, Ehrgeiz, Macht und Materialismus sowie stereotyp feminine Werte wie Betonung zwischenmenschlicher Beziehungen. Kulturen mit hohen Werten auf der Maskulinitätsskala weisen im Allgemeinen deutlichere Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf und neigen zu mehr Wettbewerb und Ehrgeiz. Kulturen mit niedrigen Werten in dieser Dimension weisen weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf und legen einen höheren Wert auf den Aufbau von Beziehungen.

Langfristige Ausrichtung vs. kurzfristige Ausrichtung: Diese Dimension beschreibt den Zeithorizont einer Gesellschaft. Kurzfristig ausgerichtete Kulturen und legen Wert auf traditionelle Methoden, benötigen eine erhebliche Menge Zeit zum Aufbau von Beziehungen und betrachten Zeit im Allgemeinen als zirkulär. Das heißt, dass Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft sind; was heute nicht getan werden kann, kann morgen getan werden. Das Gegenteil hiervon ist die langfristige Ausrichtung, die Zeit als linear sieht und sich eher auf die Zukunft als auf die Gegenwart oder die Vergangenheit konzentriert. Sie ist zielorientiert und legt Wert auf Belohnungen.

Genuss vs. Einschränkung: Diese Dimension misst die Fähigkeit einer Kultur, die unmittelbaren Bedürfnisse und persönlichen Wünsche ihrer Mitglieder zu befriedigen. Diejenigen, die Einschränkungen betonen, haben strenge soziale Regeln und Normen, nach denen die Befriedigung von Bedürfnissen reguliert und untersagt wird.

Hofstede weist darauf hin, dass die kulturellen Dimensionen nur ein Rahmen sind, um eine bestimmte Kultur besser einschätzen zu können und so eine bessere Anleitung zur Entscheidungsfindung bereitzustellen. Es gibt andere Faktoren, die berücksichtigt werden müssen, z. B. Persönlichkeit, Familiengeschichte und persönlicher Wohlstand. Die vorgeschlagenen Dimensionen können keine individuellen Verhaltensweisen voraussagen und berücksichtigen keine individuellen Persönlichkeiten.

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